Der chinesische 3D-Druckerhersteller Bambu Lab sorgt erneut für Aufruhr in der Maker-Community. Diesmal hat das Unternehmen einen Entwickler namens Pawel Jarczak mit einem Cease-and-Desist-Schreiben konfrontiert, der eine spezialisierte Version des populären Open-Source-Slicers OrcaSlicer entwickelt hatte – speziell zugeschnitten auf Bambu-Lab-Drucker und mit voller BambuNetwork-Unterstützung. Jarczak nahm die Software daraufhin vorsorglich offline, obwohl er nach Einschätzung von Beobachtern durchaus im rechtlichen Recht gewesen wäre.
Community und Tech-Größen mobilisieren sich
Die Reaktion der Community ließ nicht lange auf sich warten. Das bekannte Hardware-Review-Portal GamersNexus und der YouTuber sowie Right-to-Repair-Aktivist Louis Rossmann haben die Software mit ausdrücklicher Genehmigung von Jarczak neu gehostet – und fordern Bambu Lab in ungewöhnlich direkten Worten heraus. Beide Parteien stellen zusammen 20.000 US-Dollar an Rechtshilfe für Jarczak bereit, sollte es zu einer Klage kommen. Damit signalisiert die Community, dass sie solche juristischen Einschüchterungsversuche nicht länger widerstandslos hinnehmen wird.
Was ist OrcaSlicer-BambuLab?
OrcaSlicer ist ein weit verbreiteter, quelloffener Slicer – also eine Software, die 3D-Modelle in druckbare Anweisungen für den Drucker umwandelt. Die von Jarczak entwickelte Variante OrcaSlicer-BambuLab stellte die vollständige BambuNetwork-Anbindung wieder her, die Bambu Lab in seiner eigenen offiziellen Slicer-Software zunehmend einschränkt. Nutzer waren dadurch nicht mehr auf den LAN-Modus beschränkt, sondern konnten ihre Drucker wieder vollständig über das Internet steuern – so wie es ursprünglich möglich war. Für Windows-Nutzer ist WSL 2 (Windows Subsystem for Linux) erforderlich, unter Linux läuft die Software ohne Zusatzaufwand.
Ein Muster der Kontrolle
Der Vorfall reiht sich in ein beunruhigendes Muster ein. Bambu Lab hatte bereits zuvor Kritik auf sich gezogen, als das Unternehmen Firmware-Updates ausrollte, die die Drittanbieter-Kompatibilität seiner Geräte einschränkten. Für viele Nutzer ist das ein klarer Versuch, das Ökosystem rund um die eigenen Drucker zu kontrollieren und Nutzer in proprietäre Lösungen zu drängen. Das widerspricht dem Geist der 3D-Druck-Community, die traditionell auf Offenheit und Interoperabilität setzt.
Ähnliche Konflikte kennt man aus anderen Bereichen der Tech-Industrie: Ob Traktorhersteller John Deere, der Reparaturen einschränkt, oder Smartphone-Hersteller, die Sideloading erschweren – das Spannungsfeld zwischen Herstellerkontrolle und Nutzerfreiheit ist ein zentrales Thema der modernen Tech-Welt. Das Right-to-Repair-Movement gewinnt in diesem Kontext zunehmend an Bedeutung.
Was bedeutet das für Nutzer?
Wer einen Bambu-Lab-Drucker besitzt und auf die volle Netzwerkfunktionalität angewiesen ist, findet in dem neu gehosteten Fork eine funktionierende Alternative zur offiziellen Software. Langfristig zeigt der Fall jedoch, wie abhängig Käufer von den Entscheidungen eines Herstellers werden können – selbst bei Hardware, die sie besitzen. Die Bereitschaft von GamersNexus und Rossmann, rechtliche und finanzielle Unterstützung zu leisten, setzt ein wichtiges Zeichen: Die Open-Source- und Maker-Community ist bereit, sich gegen solche Praktiken zu wehren.
Quellen: Hacker News