Seit Mitte März 2025 leiden Spieler in Israel und potenziell weiteren Ländern des Nahen Ostens unter einem gravierenden Fehler in Valves Steam-Netzwerkinfrastruktur. Betroffen ist die sogenannte GameNetworkingSockets-Bibliothek, die Valve für Peer-to-Peer-Verbindungen in zahlreichen Steam-Spielen einsetzt. Das Kuriose: Der Bug ist seit über zwei Monaten bekannt, dokumentiert und öffentlich auf GitHub gemeldet – passiert ist bislang nichts.
Was genau ist das Problem?
Konkret zeigt sich der Fehler etwa in Street Fighter 6, das auf Steam Networking für seine P2P-Verbindungen setzt. Spielen zwei israelische Nutzer gegeneinander, steigt der Ping auf rund 120 Millisekunden – ein Wert, der für ein Kampfspiel, das auf Frame-genaue Eingaben angewiesen ist, schlicht unspielbar ist. Verbinden sich dieselben Spieler hingegen mit europäischen Gegnern, sinkt die Latenz auf normale 60 bis 80 Millisekunden. Das deutet klar darauf hin, dass das Problem nicht bei den Endnutzern oder deren Internetverbindungen liegt, sondern tief in Valves Netzwerk-Routing verankert ist.
Da Street Fighter 6 Cross-Play zwischen PC und Konsole unterstützt, lässt sich der Fehler noch weiter eingrenzen: Nur PC-zu-PC-Verbindungen über Steam Networking sind betroffen. Konsolenverbindungen, die andere Netzwerkinfrastrukturen nutzen, funktionieren weiterhin normal. Dies bestätigt, dass die Ursache eindeutig in Valves eigenem Netzwerk-Stack zu suchen ist.
Valve schweigt – Community ist frustriert
Was die Situation besonders brisant macht, ist die fehlende Reaktion seitens Valve. Betroffene Spieler berichten, dass weder der reguläre Steam-Support noch der spielspezifische Support in der Lage waren, das Problem anzuerkennen oder weiterzuleiten. Erst als alle anderen Wege ausgeschöpft waren, wandten sich Nutzer direkt an das öffentliche GitHub-Repository von GameNetworkingSockets – dem quelloffenen Teil von Valves Netzwerkbibliothek.
Auf Hacker News, wo der Issue-Thread viral ging und über 100 Punkte sowie mehr als 50 Kommentare sammelte, äußern viele Entwickler und Spieler ihr Unverständnis. Valve gilt als eines der mächtigsten Unternehmen im PC-Gaming-Markt, mit Steam als quasi-monopolistischer Plattform. Gleichzeitig ist das Unternehmen bekannt für seine flache Hierarchie und gelegentlich träge Reaktionszeiten bei Support-Anfragen.
Größerer Kontext: Infrastrukturverantwortung bei Plattformbetreibern
Der Vorfall wirft eine grundsätzliche Frage auf: Welche Verantwortung trägt ein Plattformbetreiber wie Valve für die Netzwerkinfrastruktur, auf die Drittentwickler aufbauen? GameNetworkingSockets ist nicht nur intern bei Valve im Einsatz – die Bibliothek wird aktiv als Open-Source-Projekt gepflegt und von Spieleentwicklern weltweit genutzt. Ein seit Monaten ungelöster Bug in einer solchen Kernkomponente trifft damit nicht nur Endnutzer, sondern auch Studios, die auf diese Infrastruktur vertrauen.
Für betroffene Spieler in Israel und möglicherweise anderen Regionen des Nahen Ostens bedeutet der Bug konkret: Lokale Online-Communitys in Spielen wie Street Fighter 6, aber potenziell auch in anderen P2P-Titeln auf Steam, sind seit über zwei Monaten effektiv zerstört. Turniere, Ranglisten-Matches und Community-Events leiden unter der unzumutbaren Latenz. Solange Valve keine Stellungnahme liefert oder einen Fix bereitstellt, bleibt den Betroffenen nur das Warten – oder der Wechsel auf Konsolen-Plattformen als Workaround.
Quellen: Hacker News