Die Bundesnetzagentur hat formelle Ermittlungen gegen Valve, den Betreiber der Gaming-Plattform Steam, eingeleitet. Im Zentrum des Verfahrens steht die Frage, ob Steam im Umgang mit Meldungen und Beschwerden rund um das Videospiel „Plantation Simulator" die Vorgaben des europäischen Digital Services Act (DSA) eingehalten hat. Zuständig für das Verfahren ist der bei der Bundesnetzagentur angesiedelte Digital Services Coordinator (DSC).
Was wird konkret untersucht?
Der DSC geht der Frage nach, ob Steam ein ausreichend zugängliches und transparentes Meldesystem für möglicherweise rechtswidrige Inhalte bereitgestellt hat und ob eingehende Hinweise von Nutzern unverzüglich sowie sorgfältig bearbeitet wurden. Genau das schreibt der DSA großen Online-Plattformen verbindlich vor. Verstöße können mit empfindlichen Bußgeldern geahndet werden. Anlass für die Ermittlungen gaben Erkenntnisse der französischen Regulierungsbehörde Arcom, die ihre Befunde an den deutschen DSC weiterleitete. Deutschland ist für das Verfahren federführend zuständig, weil Steam seinen gesetzlichen Sitz innerhalb der EU in Deutschland hat – ein Prinzip, das im DSA als „One-Stop-Shop"-Mechanismus verankert ist.
Das Spiel im Mittelpunkt des Streits
„Plantation Simulator" sorgte international für erhebliche Kritik und Proteste. In seiner ursprünglichen Version ließ das Spiel Spielerinnen und Spieler eine historische Plantage bewirtschaften, wobei Spielmechaniken die Produktivität durch Gewalt gegen schwarze Arbeitskräfte steigerten. Nach massiven öffentlichen Protesten und Medienberichten wurde das Spiel überarbeitet. Die Frage, ob Steam in der Phase der öffentlichen Kritik schnell und angemessen auf Nutzermeldungen reagiert hat, steht nun im Fokus der Behörde.
DSA als neues Regulierungsinstrument für Plattformen
Der Digital Services Act ist seit 2022 EU-weit in Kraft und gilt als eines der schärfsten digitalen Regulierungswerke weltweit. Er verpflichtet Plattformen dazu, klare und leicht zugängliche Meldewege für illegale Inhalte einzurichten, gemeldete Inhalte zügig zu prüfen und Nutzer über Entscheidungen zu informieren. Besonders große Plattformen – sogenannte Very Large Online Platforms (VLOPs) – unterliegen dabei noch strengeren Anforderungen. Steam ist mit mehreren hundert Millionen registrierten Nutzerkonten eine der meistgenutzten Gaming-Plattformen weltweit.
Mögliche Konsequenzen für Valve und die Branche
Sollte die Bundesnetzagentur zu dem Schluss kommen, dass Steam gegen den DSA verstoßen hat, drohen Valve empfindliche Geldbußen. Der DSA sieht bei schwerwiegenden Verstößen Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes vor. Das Verfahren hat damit Signalwirkung weit über den Einzelfall hinaus: Es zeigt, dass europäische Regulierungsbehörden den DSA aktiv durchsetzen und auch Gaming-Plattformen nicht von der Pflicht zur Inhaltsmoderation ausgenommen sind. Für andere Plattformbetreiber dürfte das Verfahren ein deutliches Signal sein, ihre Meldeprozesse und Reaktionszeiten kritisch zu überprüfen.
Quellen: ComputerBase · mobiFlip