Der US-Bundesstaat Utah hat mit dem sogenannten Senate Bill 73, offiziell bekannt als „Online Age Verification Amendments", ein Gesetz in Kraft gesetzt, das in der amerikanischen Rechtlandschaft bislang einmalig ist. Seit dem 6. Mai müssen sich Websites und Online-Dienste damit auseinandersetzen, dass sie für Nutzer haftbar gemacht werden können, die ihren tatsächlichen Standort mithilfe eines VPN oder Proxy-Dienstes verschleiern. Gouverneur Spencer Cox hatte das Gesetz bereits am 19. März unterzeichnet.
Was das Gesetz konkret regelt
Der Kern der Regelung ist technisch brisant: Ein Nutzer gilt nach dem Gesetz als aus Utah zugreifend, wenn er sich physisch dort befindet – unabhängig davon, ob er über ein VPN eine andere IP-Adresse oder einen anderen Serverstandort vortäuscht. Damit wird die gängige Praxis, durch VPN-Nutzung geografische Sperren oder Altersverifikationspflichten zu umgehen, explizit adressiert. Websites, die unter das Gesetz fallen, dürfen solchen Nutzern keinen Zugang gewähren, wenn diese die vorgeschriebene Altersverifikation nicht durchlaufen haben. Tun sie es dennoch – wissentlich oder fahrlässig – droht ihnen eine Haftung.
Technische und rechtliche Herausforderungen
Für Websitebetreiber stellt das Gesetz eine erhebliche technische Herausforderung dar. Denn die zuverlässige Erkennung von VPN- oder Proxy-Verbindungen ist komplex und fehleranfällig. Kommerzielle VPN-Dienste aktualisieren ihre IP-Adressen regelmäßig, um genau solche Erkennungsmechanismen zu umgehen. Gleichzeitig wirft das Gesetz Fragen zur Verhältnismäßigkeit auf: Legitime VPN-Nutzer – etwa Personen, die aus Datenschutzgründen oder im Homeoffice über Unternehmens-VPNs surfen – könnten unbeabsichtigt in den Anwendungsbereich fallen.
Utah im Kontext der US-weiten Debatte um Altersverifikation
Utah steht mit diesem Vorstoß nicht allein. Die Debatte um Online-Altersverifikation gewinnt in den USA rasant an Fahrt. Kalifornien plant ein Gesetz, das Betriebssysteme verpflichten soll, das Alter eines Nutzers bereits bei der Kontoerstellung zu verifizieren – ein Ansatz, der noch tiefer in die Systemebene eingreift. Auf Bundesebene diskutiert man mit dem sogenannten „Parents Decide Act" eine landesweite Regelung. Utah selbst gilt als Vorreiter in Sachen restriktiver Internet-Gesetzgebung: Der Staat hatte bereits 2023 als einer der ersten Gesetze zur Altersverifikation bei sozialen Netzwerken eingeführt.
Bedeutung für Nutzer und die VPN-Branche
Für Endnutzer bedeutet das Gesetz, dass der Einsatz eines VPN nicht länger als sicheres Mittel gilt, um geografisch bedingte Alterssperren zu umgehen – zumindest nicht ohne rechtliche Konsequenzen für die besuchten Plattformen. Die VPN-Branche, die zuletzt durch wachsende Datenschutzbewusstsein und Streaming-Nutzung boomen konnte, sieht sich damit einem neuen regulatorischen Druck ausgesetzt. Experten warnen zudem, dass breit angelegte Altersverifikationssysteme grundsätzliche Datenschutzprobleme mit sich bringen, da sie zwangsläufig die Erhebung und Speicherung sensibler Nutzerdaten erfordern. Utah hat mit Senate Bill 73 jedenfalls einen Präzedenzfall geschaffen, den andere Staaten und möglicherweise auch internationale Gesetzgeber genau beobachten werden.
Quellen: Tom's Hardware · PC Gamer