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10. Mai 2026 2 Min. Lesezeit

Loongson LS2K0300 im Test: Chinesischer SBC fordert Linux-Enthusiasten heraus

Der Loongson LS2K0300 sieht aus wie ein Raspberry Pi, ist aber deutlich weniger nutzerfreundlich – ein Blick auf den chinesischen SBC.

Single Board Computer haben in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchgemacht. Während Platzhirsch Raspberry Pi mit jeder Generation benutzerfreundlicher und leistungsfähiger wird, tummeln sich im SBC-Markt zunehmend auch Exoten aus dem asiatischen Raum, die einen ganz anderen Ansatz verfolgen. Der Loongson LS2K0300, verbaut auf dem Banana Pi BPI-2K0300, ist ein solches Gerät – und er hat es in sich.

Chinesische CPU-Architektur trifft Linux

Der LS2K0300 basiert auf Loongson-Technologie, einem chinesischen Prozessordesign, das auf der LoongArch-Architektur fußt. Diese wurde von Loongson Technology entwickelt und ist Chinas Antwort auf die Dominanz westlicher Chip-Architekturen wie x86 (Intel/AMD) und ARM. LoongArch ist dabei keine direkte Kopie, sondern eine eigenständige RISC-Architektur, die seit 2021 offiziell im Linux-Kernel unterstützt wird – zumindest in der Theorie. In der Praxis zeigt sich beim LS2K0300, dass die Kernel-Unterstützung noch erhebliche Lücken aufweist und Nutzer mitunter tief in Kernel-Patches und Konfigurationsdateien eintauchen müssen, um das System überhaupt zum Laufen zu bringen.

Benchmarks: Gemischtes Bild, aber ehrliche Leistung

Die Leistungsmessungen des LS2K0300 zeigen, dass der Chip in etwa das liefert, was Loongson verspricht – mehr aber auch nicht. Im direkten Vergleich mit einem Raspberry Pi 3B zeigt sich ein interessantes Bild: Während der Pi bei der Speicherbandbreite deutlich punktet, hält sich der Loongson-Chip bei reinen CPU-Aufgaben im Rahmen des Erwartbaren. Für anspruchsvollere Workloads oder flüssige Desktop-Nutzung ist der LS2K0300 jedoch nicht ausgelegt. Er positioniert sich eher als Embedded-Plattform oder Lernwerkzeug für Entwickler, die sich mit der LoongArch-Architektur vertraut machen wollen.

Nutzerfreundlichkeit: Eine echte Geduldsprobe

Was den LS2K0300 wirklich von einem Raspberry Pi unterscheidet, ist die fehlende Plug-and-Play-Erfahrung. Während Raspberry-Pi-Nutzer mit einem fertig konfigurierten Image und umfangreicher Community-Dokumentation starten können, beginnt beim Loongson-Board die eigentliche Arbeit erst nach dem Auspacken. Fehlende oder fehlerhafte Treiber, spärliche englischsprachige Dokumentation und ein Kernel, der an entscheidenden Stellen noch Baustellen aufweist, machen den Einstieg zur Herausforderung. Wer sich nicht scheut, Kernel-Quellcode zu kompilieren und Fehler eigenständig zu debuggen, wird hier allerdings viel lernen.

Einordnung: Chinas SBC-Ambitionen im globalen Kontext

Der LS2K0300 ist mehr als nur ein weiterer SBC – er steht sinnbildlich für Chinas Bemühungen, eine unabhängige Halbleiter- und Softwareökosystem-Infrastruktur aufzubauen. Angesichts von US-Exportbeschränkungen und der Abhängigkeit von ARM-Lizenzen investiert China massiv in eigene Architekturen wie LoongArch oder RISC-V-basierte Designs. Für westliche Entwickler und Enthusiasten ist der LS2K0300 vor allem ein spannendes Experimentierfeld, das zeigt, wie weit – und wie weit noch nicht – diese Bemühungen gediehen sind. Als täglicher Begleiter oder Heimserver-Plattform empfiehlt er sich derzeit nicht. Als Lernprojekt für Linux-Kernel-Hacking und alternative Architekturen hingegen durchaus.

Quellen: Golem.de

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