Oracle hat ohne große Ankündigung die Ressourcen seines beliebten Cloud-Free-Tiers drastisch reduziert. Wer bisher auf die großzügigen Ampere-A1-Compute-Instanzen mit ARM-Architektur gesetzt hat, muss sich ab sofort mit deutlich weniger begnügen. Konkret wurden die verfügbaren OCPUs von 4 auf 2 halbiert, der Arbeitsspeicher schrumpfte von 24 GB auf 12 GB. Entsprechend sinken auch die monatlichen Kontingente: Von 3.000 auf 1.500 OCPU-Stunden sowie von 18.000 auf 9.000 GB-Stunden pro Monat.
Stille Änderung mit großer Wirkung
Besonders auffällig ist die Art und Weise, wie Oracle diese Änderung kommuniziert – oder besser gesagt: nicht kommuniziert – hat. Statt einer offiziellen Ankündigung oder einer Vorlaufzeit für betroffene Nutzer wurde die Kürzung still und leise über eine aktualisierte Dokumentation eingeführt. Für viele Hobby-Entwickler, Studenten und Kleinprojekte, die auf das Free Tier gesetzt haben, ist das ein herber Rückschlag. Die bisherigen Konditionen galten in der Cloud-Branche als außergewöhnlich großzügig und hatten Oracle einen erheblichen Vorteil gegenüber Mitbewerbern wie AWS, Google Cloud oder Microsoft Azure verschafft, deren Gratis-Angebote deutlich restriktiver ausfallen.
Warum Oracle die Reißleine zieht
Die Hintergründe der Entscheidung lassen sich nur teilweise rekonstruieren. Es liegt nahe, dass Oracle die Kosten für das kostenlose Angebot schlicht nicht mehr in diesem Umfang tragen wollte. Das Free Tier wurde von einer breiten Nutzerbasis für allerlei Projekte genutzt – von privaten Webservern über VPN-Endpunkte bis hin zu Spieleservern wie Minecraft-Instanzen, die auf ARM-Basis erstaunlich effizient laufen. Gerade diese Nutzungsszenarien dürften zur Belastung der Infrastruktur beigetragen haben, ohne dass Oracle daraus nennenswerten Umsatz generieren konnte.
Was bedeutet das für betroffene Nutzer?
Für bestehende Nutzer des Oracle Cloud Free Tiers ergeben sich nun mehrere Handlungsoptionen:
- Upgrade auf ein bezahltes Kontingent: Wer weiterhin die volle Leistung benötigt, kann auf ein Pay-as-you-go-Modell wechseln.
- Migration zu Alternativen: Anbieter wie Hetzner Cloud, Netcup oder auch die Free Tiers von Google Cloud (e2-micro-Instanz) und AWS (t2.micro) bieten zwar weniger Rechenleistung, sind aber stabile und transparente Alternativen.
- Ressourcenoptimierung: Wer mit 2 OCPUs und 12 GB RAM auskommt, kann vorerst beim Free Tier bleiben – muss aber damit rechnen, dass Oracle künftig weitere Einschnitte vornimmt.
Ein Trend in der Cloud-Branche
Oracles Schritt reiht sich in einen breiteren Trend ein: Cloud-Anbieter, die in den vergangenen Jahren mit attraktiven Gratis-Angeboten Nutzer angelockt haben, ziehen zunehmend die Zügel an. Heroku strich seinen kostenlosen Tier bereits 2022 vollständig, andere Anbieter haben Laufzeiten oder Ressourcen beschnitten. Für Entwickler und IT-Enthusiasten bedeutet das eine wachsende Unsicherheit beim Planen langfristiger Projekte auf Basis kostenloser Cloud-Ressourcen. Wer auf Stabilität und Verlässlichkeit angewiesen ist, sollte die Abhängigkeit von kostenlosen Angeboten grundsätzlich überdenken und auf dedizierte, günstige Einstiegstarife setzen.
Quellen: stadt-bremerhaven