Der Streaming-Markt erlebt eine weitere Konsolidierungswelle: Fox Corp, bislang vor allem für klassisches Kabel-TV mit Schwerpunkt auf Sport und Nachrichten bekannt, übernimmt die Streaming-Plattform Roku für rund 22 Milliarden US-Dollar. Der Deal wird über eine Kombination aus Bargeld und Aktien abgewickelt – Roku-Aktionäre erhalten dabei 96 Dollar je Aktie sowie zusätzliche Anteile am Fox-Konzern. Die Übernahme gilt in der Branche als überraschend, denn Fox und Roku kamen bisher aus sehr unterschiedlichen Richtungen des Medienmarktes.
Was Roku so wertvoll macht
Roku ist weit mehr als ein Hersteller von Streaming-Sticks und Set-Top-Boxen. Das Unternehmen betreibt eine eigene Software-Plattform, die an TV-Hersteller lizenziert wird und auf zahlreichen Smart-TVs weltweit vorinstalliert ist. Mit über 100 Millionen Haushalten, die die Roku-Plattform aktiv nutzen, verfügt das Unternehmen über eine enorme Reichweite. Das eigentliche Geschäftsmodell basiert dabei nicht primär auf Hardware-Verkäufen, sondern auf Werbeeinnahmen und Abonnement-Provisionen, die über die Roku-Oberfläche generiert werden. Zuletzt lagen die Werbeerlöse bei beachtlichen 613 Millionen Dollar – ein Wert, der Fox offensichtlich überzeugt hat.
Strategischer Schachzug für Fox
Fox verfügt zwar mit dem werbefinanzierten Streamingdienst Tubi bereits über einen eigenen Fuß in der digitalen Welt, doch Roku spielt in einer anderen Liga. Durch die Übernahme sichert sich Fox direkten Zugang zu einer der größten Streaming-Infrastrukturen überhaupt – inklusive der dazugehörigen Nutzerdaten und Werbeflächen. Das ist besonders relevant, da klassisches Kabel-TV weltweit an Bedeutung verliert und Werbebudgets zunehmend in digitale und vernetzte TV-Umgebungen fließen. Mit Roku im Portfolio könnte Fox seine Werbeeinnahmen erheblich ausbauen und Tubi auf der Roku-Plattform strategisch bevorzugt platzieren.
Auswirkungen auf den Markt und Nutzer
Für Roku-Nutzer stellt sich nun die Frage, wie sich die Übernahme auf die Plattform auswirkt. Erfahrungsgemäß bedeuten solche Konsolidierungen mittelfristig Veränderungen in der Benutzeroberfläche, bei Partnerschaften mit anderen Streaming-Diensten oder in der Preisgestaltung von Werbeplätzen. Konkurrenten wie Amazon Fire TV, Google TV oder Apples tvOS dürften die Entwicklung genau beobachten. Der Markt für Smart-TV-Plattformen ist hart umkämpft, und eine finanziell gestärkte Roku-Fox-Einheit könnte den Wettbewerb deutlich verschärfen.
Die Übernahme reiht sich in einen größeren Trend ein: Medienkonzerne erkennen, dass der Zugang zur Plattform – also zur Fernbedienung und zur Startseite des Fernsehers – entscheidender ist als einzelne Inhalte. Wer die Plattform kontrolliert, kontrolliert letztlich auch, welche Inhalte Nutzer als erstes sehen. In diesem Sinne ist der Kauf von Roku durch Fox weniger ein Inhalte-Deal als vielmehr eine Investition in digitale Infrastruktur und Werbe-Reichweite im vernetzten Fernsehen der Zukunft.
Quellen: stadt-bremerhaven