Ein schwelender Konflikt in der 3D-Druck-Community ist jetzt offen ausgebrochen: Bambu Lab, der chinesische Hersteller hinter den populären BambuLab-Druckern, verletzt nach Aussage von Josef Prusa – Gründer von Prusa Research – seit dem ersten Fork die AGPL-Lizenz von PrusaSlicer. Im Zentrum steht eine proprietäre Netzwerk-Binärdatei, die als sogenannte „Black Box" in BambuStudio eingebettet ist und deren Quellcode nie veröffentlicht wurde, obwohl die AGPL-Lizenz genau das vorschreibt.
Was ist die AGPL und warum ist der Verstoß gravierend?
Die GNU Affero General Public License (AGPL) ist eine der restriktivsten Open-Source-Lizenzen. Sie verlangt nicht nur, dass abgeleitete Werke ebenfalls unter AGPL veröffentlicht werden, sondern schreibt auch vor, dass der vollständige Quellcode für Nutzer zugänglich gemacht werden muss – selbst wenn die Software nur über ein Netzwerk bereitgestellt wird. BambuStudio basiert direkt auf PrusaSlicer, der seinerseits auf dem bekannten Slicer-Projekt Slic3r aufbaut. Wer diesen Code forkt und weiterentwickelt, ist verpflichtet, alle Änderungen offenzulegen. Genau das hat Bambu Lab nach Prusa laut eigenen Angaben konsequent unterlassen – und das von Beginn an.
Chinesische Gesetzgebung als mögliche Erklärung
Prusa geht in seiner Einschätzung jedoch über einen simplen Lizenzverstoß hinaus. Er verweist auf ein Geflecht chinesischer Gesetze, das zwischen 2017 und 2023 verabschiedet wurde und chinesische Unternehmen in eine rechtliche Zwickmühle treibt:
- National Intelligence Law (2017): Alle Organisationen und Bürger müssen mit Geheimdiensten kooperieren – und dürfen diese Kooperation nicht offenlegen.
- Weitere Gesetze aus diesem Zeitraum stärken staatliche Kontrollmöglichkeiten über Daten, Netzwerke und Unternehmen mit großer Reichweite.
Prusa argumentiert, dass das Netzwerkmodul in BambuStudio möglicherweise bewusst als geschlossene Binärdatei gehalten wird, weil eine Offenlegung des Quellcodes den chinesischen Behörden untersagt sein könnte – oder weil der Code schlicht Funktionalitäten enthält, die bei Bekanntwerden erheblichen Schaden anrichten würden. Die Kombination dieser Gesetze ergibt laut Prusa ein vollständiges Bild: Ein chinesisches Unternehmen mit globaler Reichweite, das zur Kooperation verpflichtet ist und diese Kooperation gleichzeitig nicht kommunizieren darf.
Marktkontext: Bambu Lab vs. Prusa Research
Der Konflikt hat eine ausgeprägte wirtschaftliche Dimension. Bambu Lab hat seit seiner Gründung mit Hochgeschwindigkeitsdruckern wie dem X1 Carbon den Markt für Consumer-3D-Drucker erheblich aufgemischt und Prusa Research unter Druck gesetzt. Prusa-Drucker galten jahrelang als Goldstandard für zuverlässige Open-Source-Hardware, verloren jedoch Marktanteile an die deutlich schnelleren Bambu-Geräte. Dass Bambu Lab dabei auf dem geistigen Eigentum der Open-Source-Community aufbaut, ohne die Lizenzpflichten zu erfüllen, empfinden viele in der Community als besonders problematisch – es ist ein klassisches Trittbrettfahrer-Problem im Open-Source-Ökosystem.
Was bedeutet das für Nutzer?
Für Anwender von BambuStudio stellt sich die Frage, welche Daten die geschlossene Netzwerkkomponente tatsächlich überträgt. Ohne einsehbaren Quellcode ist eine unabhängige Überprüfung nicht möglich. Wer Wert auf Datensouveränität legt oder in sensiblen Umgebungen druckt, sollte dies in seine Entscheidung einbeziehen. Die Debatte zeigt einmal mehr, wie wichtig die Durchsetzung von Open-Source-Lizenzen ist – und wie schwierig diese wird, wenn geopolitische Rahmenbedingungen ins Spiel kommen.
Quellen: Hacker News