Es hätte ein historischer Moment werden sollen: der erste Flug der dritten Generation von SpaceX' Starship-Rakete. Doch 40 Sekunden vor dem geplanten Abheben vom Startgelände in Starbase, Texas, stoppte ein technisches Problem am Bodensystem den Countdown. Was folgte, waren mehrere vergebliche Versuche des Launch-Teams, den Countdown wieder aufzunehmen – insgesamt fünf Mal hielt der steuernde Computer die Sequenz an, bevor SpaceX den Startversuch offiziell abbrach. Ein neuer Versuch ist für Freitagabend geplant.
Was ist Starship V3?
Die dritte Generation des Starship-Systems stellt einen bedeutenden technologischen Schritt gegenüber den Vorgängerversionen dar. Die Rakete ist größer und leistungsstärker als ihre Vorgänger und wurde in den Monaten seit dem letzten Testflug im Oktober 2025 intensiv weiterentwickelt und getestet. Es handelt sich dabei um den zwölften Gesamtflug des Starship-Programms. Das System besteht aus dem Super-Heavy-Booster und dem eigentlichen Starship-Raumschiff, die gemeinsam das größte und leistungsstärkste Raketensystem bilden, das je gebaut wurde.
Technischer Ablauf des Fehlversuchs
Der Tag begann eigentlich vielversprechend: Wolken und Regenschauer zogen rechtzeitig ab und hinterließen überwiegend sonnige Bedingungen über dem Startgelände. SpaceX verschob den Startzeitpunkt zunächst um eine Stunde, doch die Betankung mit Treibstoff verlief anschließend reibungslos. Erst kurz vor dem Zündzeitpunkt offenbarte sich das Problem – nicht in der Rakete selbst, sondern im Bodensystem, konkret im Startturm. Mehrfach versuchte das Team, den automatisierten Countdown-Computer zu überstimmen oder zurückzusetzen, doch das System verweigerte konsequent die Freigabe.
Enormer Druck durch bevorstehenden Börsengang
Der missglückte Startversuch kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für SpaceX. Das Unternehmen hat kürzlich Unterlagen für einen Börsengang (IPO) eingereicht und wird voraussichtlich innerhalb weniger Wochen an die Börse gehen. Investoren und Analysten beobachten das Starship-Programm daher mit besonderer Aufmerksamkeit – schließlich gilt es als zentrales Zukunftsprojekt des Unternehmens, das sowohl für kommerzielle Satellitenstarts als auch für die NASA-Mondmission Artemis und langfristige Mars-Ambitionen entscheidend ist. Jede Verzögerung oder jeder Fehlschlag wird in diesem Kontext stärker gewichtet als in früheren Entwicklungsphasen.
Einordnung und Ausblick
Technische Scrubs kurz vor dem Start sind in der Raumfahrt keine Seltenheit und gelten als normaler Teil des Entwicklungsprozesses. Die automatischen Sicherheitssysteme tun genau das, wofür sie konzipiert wurden: Sie verhindern einen Start unter nicht vollständig verifizierten Bedingungen. Dennoch zeigt der Vorfall, dass selbst bei einem so erfahrenen Unternehmen wie SpaceX die Komplexität moderner Raketenstarts enorm ist. Mit dem geplanten Nachholversuch am Freitagabend hat SpaceX die Möglichkeit, die Starship V3 erstmals in die Luft zu bringen – und damit einen wichtigen Meilenstein sowohl technisch als auch für den bevorstehenden Börsengang zu setzen.
Quellen: Ars Technica · TechCrunch