Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX hat bei der US-Börsenaufsicht SEC die Unterlagen für einen Börsengang eingereicht, der alle bisherigen IPOs in den Schatten stellen soll. Mit einer angestrebten Bewertung von 1,75 Billionen US-Dollar würde SpaceX sogar den bisherigen Rekordhalter Saudi Aramco übertreffen, dessen Börsengang im Jahr 2019 als der größte der Geschichte gilt. Geplant ist eine Notierung an der Nasdaq sowie der Nasdaq Texas unter dem Tickersymbol SPCX. Die finale Preisspanne soll voraussichtlich am 12. Juni festgesetzt werden.
Beeindruckende Umsätze, aber massive Verluste
Der nun veröffentlichte Börsenprospekt gewährt erstmals einen detaillierten Einblick in die Finanzen des bislang privat gehaltenen Unternehmens – und die Zahlen sind ambivalent. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte SpaceX einen Umsatz von 18,67 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig summierten sich die Verluste auf rund 4,94 Milliarden Dollar. Besonders auffällig: Allein im ersten Quartal 2025 belief sich der Verlust auf 4,3 Milliarden US-Dollar – bei entsprechend hohem Umsatz. Das deutet auf massive laufende Investitionen hin, die kurzfristig die Bilanz belasten, langfristig aber die technologische Basis des Unternehmens stärken sollen.
Für Investoren ist das eine klassische Wachstumswette: SpaceX verbrennt Kapital in enormem Tempo, baut aber gleichzeitig eine Infrastruktur auf, die in der kommerziellen Raumfahrt und im Satelliten-Breitbandgeschäft mit Starlink kaum Konkurrenz kennt. Starlink ist inzwischen in über 100 Ländern aktiv und zählt Millionen zahlende Kunden – ein stabiler, wiederkehrender Umsatzstrom, der für Börseninvestoren besonders attraktiv ist.
Einordnung: Tech-IPOs im Aufwind
Der SpaceX-Börsengang fügt sich in eine breitere Bewegung ein: Auch OpenAI plant offenbar einen baldigen Gang an die Börse, nachdem das Unternehmen einen wegweisenden Rechtsstreit gegen Elon Musk weitgehend für sich entschieden hat. Beide IPOs würden den Kapitalmarkt für Deep-Tech- und KI-Unternehmen erheblich beleben. Nach einer längeren Durststrecke bei Tech-Börsengängen – ausgelöst durch Zinserhöhungen und Marktvolatilität – signalisieren diese Schritte, dass das Fenster für ambitionierte Technologieunternehmen wieder geöffnet scheint.
Was bedeutet das für die Branche?
Ein erfolgreicher SpaceX-IPO hätte weitreichende Folgen für das gesamte New-Space-Ökosystem. Konkurrenten wie Blue Origin (Jeff Bezos) oder europäische Anbieter wie Arianespace stehen unter wachsendem Druck. Frisches Kapital aus dem Börsengang könnte SpaceX ermöglichen, die Entwicklung des Starship-Raketensystems weiter zu beschleunigen – ein Vehikel, das nicht nur für Mars-Missionen, sondern auch für kommerzielle Nutzlastflüge und potenziell militärische Anwendungen konzipiert ist.
Für tech-affine Anleger bleibt die zentrale Frage, ob die Vision langfristiger Rentabilität die aktuellen Verluste rechtfertigt. Die Geschichte zeigt: Unternehmen wie Amazon oder Tesla haben Investoren trotz jahrelanger Verluste letztlich reich gemacht. Ob SpaceX diesen Weg wiederholen kann, wird einer der spannendsten Kapitalmarkt-Tests der kommenden Jahre sein.
Quellen: Golem.de · Heise Online