Der Smart-Home- und NAS-Markt erlebt dieser Tage eine bemerkenswerte Verdichtung von Neuigkeiten: Gleich mehrere Hersteller erweitern ihre Ökosysteme spürbar – teils durch Software-Updates, teils durch handfeste Übernahmen.
Ugreen Surveillance Center: NAS wird zum Videorekorder
Ugreen hat sein NAS-Betriebssystem still und leise um eine beachtliche Funktion erweitert: Das sogenannte Surveillance Center kam unangekündigt mit einem aktuellen Update und lässt sich über das integrierte App Center nachinstallieren. Die Anwendung verwandelt den Netzwerkspeicher in einen vollwertigen Netzwerk-Videorekorder (NVR) für IP-Kameras. Unterstützt werden die weit verbreiteten Standards ONVIF und RTSP, was die Kompatibilität mit einem Großteil der am Markt erhältlichen Kameras sicherstellt. Kameras lassen sich entweder automatisch per Netzwerk-Scan oder manuell über ihre IP-Adresse einbinden. Bis zu acht Kanäle können gleichzeitig verwaltet werden. Damit positioniert sich Ugreen direkter im Wettbewerb mit etablierten NAS-Anbietern wie Synology oder QNAP, die solche Surveillance-Lösungen schon lange im Portfolio führen. Für Nutzer, die ohnehin ein Ugreen-NAS betreiben, entfällt damit die Notwendigkeit einer separaten Lösung.
Google Home: Haustiere bekommen Namen
Google erweitert seine Home-Plattform um eine KI-gestützte Kamerafunktion namens „Pet Memory". Nutzer können ihren Kameras künftig Informationen zu Haustieren hinterlegen – darunter Name und Tierart. Statt generischer Ereignismeldungen wie „Ein Hund wurde erkannt" soll das System dann personalisierte Hinweise liefern, etwa mit dem tatsächlichen Namen des Tieres. Diese Funktion ist Teil eines größeren Updates, das vor allem den neuen Sprachassistenten Gemini for Home in den Vordergrund stellt. Die KI-Überblicke von Google erreichen laut eigenen Angaben bereits 2,5 Milliarden monatliche Nutzer, der KI-Modus kommt auf über eine Milliarde Anwender. Die Kamera-Neuerungen sind dabei unabhängig von Gemini nutzbar und zeigen, wie stark KI-Bildverarbeitung inzwischen in Consumer-Hardware Einzug hält.
1&1 Mail-App: IONOS-Kunden müssen wechseln
Eine weniger erfreuliche Nachricht kommt von IONOS: Ab dem 25. Juni 2026 unterstützt die 1&1 Mail-App für Android und iOS keine IONOS-E-Mail-Adressen mehr. Der Zugang über diese App wird dann schlicht gesperrt. Kundendaten, also Mails, Ordner und Kontakte, bleiben auf den Servern erhalten. Als Alternativen empfiehlt das Unternehmen Standard-Mail-Clients wie Apple Mail, Gmail oder die Samsung Mail-App. Konkrete Gründe für die Trennung der beiden Dienste wurden nicht kommuniziert, was angesichts der gemeinsamen Konzerngeschichte von 1&1 und IONOS zumindest erklärungsbedürftig wäre.
Switchbot-Mutter übernimmt Nanoleaf für 40 Millionen Dollar
Im Smart-Home-Segment sorgt eine Übernahme für Aufsehen: OneRobotics, der Mutterkonzern hinter der Automatisierungsmarke Switchbot, kauft den kanadischen Lichtspezialisten Nanoleaf für 40 Millionen US-Dollar. Die Abwicklung des Deals soll sich laut einer Börsenbekanntmachung in Hongkong über zwei Jahre erstrecken. Nanoleaf war zuletzt durch vage Ankündigungen rund um Robotik und KI aufgefallen, ohne konkrete Produkte zu nennen. Switchbot seinerseits expandiert zunehmend in neue Produktkategorien. Die Zusammenführung beider Marken könnte mittelfristig zu einer engeren Integration von Beleuchtung und Heimautomatisierung führen – wie sich die jeweiligen App-Ökosysteme entwickeln werden, bleibt jedoch abzuwarten.
Insgesamt zeigen diese Entwicklungen einen klaren Trend: Hersteller aus dem NAS-, Smart-Home- und Cloud-Bereich bauen ihre Plattformen konsequent aus, integrieren KI-Funktionen und konsolidieren den Markt durch Übernahmen. Für Nutzer bedeutet das einerseits mehr Funktionsumfang, andererseits eine wachsende Abhängigkeit von den jeweiligen Ökosystemen.
Quellen: stadt-bremerhaven