Ein ablaufendes Zertifikat zur Lizenzvalidierung wird ab dem 13. Juli 2026 dafür sorgen, dass Microsoft Office 2019 und Office 2021 für macOS und iOS faktisch unbrauchbar werden. Statt wie bisher Dokumente bearbeiten und speichern zu können, landen Nutzer dann im sogenannten „Reduced Functionality Mode" – einem eingeschränkten Modus, in dem Dateien zwar noch geöffnet und angezeigt, aber weder editiert noch gespeichert werden können. Für alle, die einst eine Einmallizenz erworben haben, ist das eine bittere Pille.
Versprechen gebrochen, Seiten umgeschrieben
Besonders brisant ist der Umstand, dass Microsoft nach dem Ende des offiziellen Supports für Office 2019 for Mac im Oktober 2023 ausdrücklich versicherte, die installierten Anwendungen würden weiterhin „funktionieren". Von dieser Zusage ist heute wenig übrig: Bis Ende Mai 2026 hatte Microsoft die entsprechende Support-Seite still und leise neu datiert und umformuliert – die ursprüngliche Aussage zur Funktionsfähigkeit wurde entfernt. Dieses nachträgliche Revidieren von Dokumentationen ist aus Verbraucherschutzsicht höchst problematisch und hat in der Tech-Community für erhebliche Empörung gesorgt.
Perpetuelle Lizenzen unter Beschuss
Der Vorfall reiht sich in einen größeren Trend ein: Softwarehersteller drängen Nutzer seit Jahren massiv in Abonnementmodelle. Microsoft 365 ist das Paradebeispiel – monatliche oder jährliche Gebühren statt einmaliger Kaufpreis. Office 2019 und 2021 waren für viele Nutzer und Unternehmen bewusst gewählte Alternativen, um genau dieses Modell zu umgehen. Wer eine Einmallizenz kauft, erwartet ein dauerhaft nutzbares Produkt – kein Produkt mit verstecktem Ablaufdatum.
Technisch gesehen liegt das Problem in einem Zertifikat zur Lizenzprüfung, das am 13. Juli 2026 ausläuft. Microsoft hat offenbar keine Absicht, dieses zu erneuern oder einen Patch bereitzustellen, der die Vollfunktionalität erhält. Das ist keine technische Notwendigkeit, sondern eine geschäftliche Entscheidung – und sie trifft ausgerechnet Mac-Nutzer, die für Office teils über 200 Euro bezahlt haben.
Rechtliche und verbraucherschutzrechtliche Fragen
In mehreren Ländern, darunter auch Deutschland, stellt sich die Frage, ob eine solche Ferndeaktivierung dauerhaft lizenzierter Software mit dem Verbraucherrecht vereinbar ist. Das EU-Verbraucherrecht sowie das deutsche Schuldrecht sehen bei digitalen Produkten grundsätzlich vor, dass diese dem vertraglich vereinbarten Zweck entsprechen müssen. Wer ein Textverarbeitungsprogramm kauft, darf erwarten, damit Texte bearbeiten zu können – und das nicht nur bis zu einem intern gesetzten Ablaufdatum.
Was betroffene Nutzer jetzt tun können
Betroffenen Nutzern bleiben im Wesentlichen drei Optionen: der Wechsel zu Microsoft 365 mit laufendem Abonnement, der Umstieg auf alternative Office-Suiten wie LibreOffice oder OnlyOffice – beide kostenlos und vollständig funktionsfähig – oder das Einfrieren des Systems ohne Updates, um die Zertifikatsprüfung zu umgehen, was jedoch erhebliche Sicherheitsrisiken mit sich bringt. Gerade LibreOffice hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte in Sachen Kompatibilität mit Microsoft-Formaten gemacht und ist für viele Anwendungsfälle eine ernsthafte Alternative.
Der Fall zeigt einmal mehr, wie fragil das Konzept des digitalen Eigentums geworden ist. Wenn ein Hersteller durch das bloße Auslaufenlassen eines Zertifikats ein gekauftes Produkt in ein nutzloses Werkzeug verwandeln kann, stellt sich grundsätzlich die Frage: Was bedeutet „Kaufen" im Softwarebereich noch?
Quellen: Hacker News