Nach einem Jahr intensiver Entwicklungsarbeit durch ein weltweites Freiwilligen-Netzwerk hat das GIMP-Projekt Version 3.2 seiner gleichnamigen Open-Source-Bildbearbeitungssoftware veröffentlicht. Das Update markiert einen weiteren Meilenstein in der Strategie des Projekts, Releases künftig in kürzeren, regelmäßigeren Abständen bereitzustellen – ein Ansatz, der nach dem großen Versionssprung auf 3.0 eingeschlagen wurde.
Non-destruktive Bearbeitung als Kernfeature
Das wohl bedeutendste neue Feature in GIMP 3.2 ist die Einführung non-destruktiver Ebenen. Damit können Nutzerinnen und Nutzer externe Bilddateien als sogenannte verknüpfte Ebenen in ihre Kompositionen einbinden. Transformationen wie Skalierungen, Rotationen oder andere Anpassungen werden dabei nicht dauerhaft in die Bilddaten eingerechnet, sondern bleiben jederzeit editierbar – ohne Qualitätsverlust. Besonders praktisch: Wird die verlinkte Quelldatei extern verändert, aktualisiert sich der Inhalt der Ebene in GIMP automatisch. Dieses Konzept ist aus professionellen Tools wie Adobe Photoshop oder Affinity Photo seit Jahren bekannt und war für viele Nutzer ein entscheidender Grund, GIMP trotz seiner Stärken zu meiden.
Verbessertes Pfadwerkzeug und mehr Pinsel
Auch das Pfadwerkzeug wurde grundlegend überarbeitet. Es unterstützt nun das Zeichnen von Formen mit direkt einstellbaren Füll- und Konturoptionen – eine deutliche Verbesserung gegenüber dem bisherigen, eher umständlichen Workflow. Darüber hinaus wurde die Pinsel-Bibliothek um 20 neue Pinsel erweitert, was insbesondere digitalen Illustratoren und Concept Artists entgegenkommt.
Einordnung: GIMP im Wettbewerb mit kommerziellen Tools
Die Neuerungen in Version 3.2 sind kein Zufall, sondern Reaktion auf einen anhaltenden Marktdruck. Seit Adobe seine Creative Cloud auf ein Abonnementmodell umgestellt hat, suchen viele professionelle und semiprofessionelle Nutzer nach Alternativen. Konkurrenten wie Affinity Photo oder das webbasierte Photopea haben in den vergangenen Jahren erheblich Boden gutgemacht, weil sie professionelle Features ohne Abo-Zwang bieten. GIMP hingegen war lange Zeit mit dem Ruf behaftet, zwar mächtig, aber umständlich zu sein – vor allem wegen des fehlenden non-destruktiven Workflows.
Mit Version 3.2 schließt das Projekt diese Lücke zumindest teilweise. Für Privatnutzer, Grafikdesigner mit begrenztem Budget und Open-Source-Enthusiasten bedeutet das Update einen erheblichen Mehrwert im täglichen Arbeitsablauf. Die Tatsache, dass all das von einer ehrenamtlichen Community ohne kommerzielle Hintergedanken entwickelt wird, macht den Fortschritt umso bemerkenswerter.
GIMP 3.2 steht ab sofort kostenlos auf der offiziellen Projektwebsite für Windows, macOS und Linux zum Download bereit. Angesichts der soliden Neuerungen dürfte das Update auch für bisherige Skeptiker einen erneuten Blick wert sein.
Quellen: Hacker News