Epic Games steckt in einer schwierigen Phase: Trotz des anhaltenden Erfolgs von Fortnite, das nach wie vor zu den meistgespielten Titeln weltweit zählt, musste das Unternehmen zuletzt rund 1.000 Mitarbeiter entlassen – und begründete diesen drastischen Schritt ungewöhnlich offen damit, dass zahlreiche neue Spielmodi und Inhalte schlicht nicht die erhofften Nutzerzahlen erreicht haben. Diese Transparenz ist in der Spielebranche selten und zeigt, unter welchem Druck selbst ein Gigant wie Epic steht.
Mehrere Modi vor dem Aus
Konkret werden gleich mehrere Fortnite-Ableger eingestellt. Der Fortnite Ballistic-Modus, der als kompaktere und schnellere Variante des Hauptspiels konzipiert war, wird bereits am 16. April abgeschaltet. Die Fortnite Festival Battle Stage, ein Versuch, musikalische Gameplay-Elemente zu integrieren, folgt ebenfalls. Besonders bemerkenswert ist das Ende von Rocket Racing, einem Modus mit raketengetriebenen Fahrzeugen, der im Oktober offline gehen soll. Alle drei Projekte sollten das Fortnite-Ökosystem diversifizieren und neue Spielergruppen ansprechen – ein Ziel, das offensichtlich verfehlt wurde.
Disney als Rettungsanker?
Inmitten dieser Konsolidierungsphase plant Epic Games jedoch einen ambitionierten Neustart: Ein Shooter mit Disney-Charakteren soll das Portfolio bereichern. Details zur Umsetzung sind bislang rar, doch die Kombination aus Epics technischer Expertise – insbesondere der Unreal Engine, die zu den leistungsfähigsten Spiel-Engines der Branche gehört – und dem riesigen Disney-Franchise-Universum klingt auf dem Papier vielversprechend. Disney-Charaktere haben in Fortnite bereits als Skins und crossover-Events bewiesen, dass sie bei der Community gut ankommen.
Strategischer Kurswechsel unter Druck
CEO Tim Sweeney steht vor der Aufgabe, Epic Games neu auszurichten. Das Unternehmen hat in den vergangenen Jahren massiv in verschiedene Richtungen investiert – vom Epic Games Store über den Metaverse-Ansatz bis hin zu diversen Fortnite-Erweiterungen. Nicht alle dieser Wetten sind aufgegangen. Der Epic Games Store kämpft weiterhin darum, Steam als dominante PC-Spieleplattform ernsthaft herauszufordern, obwohl Gratisangebote und Exklusivtitel regelmäßig für Aufmerksamkeit sorgen.
Der geplante Disney-Shooter könnte als strategische Neuausrichtung verstanden werden: Statt viele kleine Experimente gleichzeitig zu fahren, setzt Epic offenbar auf weniger, dafür größere und besser vermarktbare Projekte. Die Lizenzpartnerschaft mit Disney bringt dabei ein globales Markenpotenzial mit, das kaum ein anderer Publisher so leicht replizieren kann. Ob das reicht, um die verlorenen Arbeitsplätze langfristig zu rechtfertigen und Epic wieder auf Wachstumskurs zu bringen, bleibt abzuwarten – die Spielebranche hat schon viele vielversprechende Kooperationen scheitern sehen.
Quellen: stadt-bremerhaven