Das Rennen um die Vorherrschaft bei Premium-Audio- und Videostandards bekommt neuen Schwung: Nach dem Start von Eclipsa Audio im Oktober des vergangenen Jahres legt das dahinterstehende Konsortium nun mit Eclipsa Video nach. Die Erweiterung folgt einer klaren strategischen Logik – wer einen ganzheitlichen Gegenentwurf zu proprietären Lösungen wie Dolby Vision und Dolby Atmos etablieren möchte, braucht sowohl eine Audio- als auch eine Videokomponente.
Offener Standard mit industrieller Rückendeckung
Technisch basiert Eclipsa Video auf der Spezifikation SMPTE 2094-50, einem Industriestandard für dynamische Metadaten bei HDR-Inhalten. Bemerkenswert ist die Riege der Unternehmen, die an der Entwicklung dieser Spezifikation beteiligt waren: Google, Apple und NBCUniversal gehören zu den maßgeblichen Mitgestaltern. Das unterstreicht, dass Eclipsa Video kein Nischenprodukt ist, sondern auf breite Unterstützung aus Industrie und Medienproduktion zählen kann.
Das Konsortium, dem inzwischen über 180 Unternehmen angehören, agiert als treibende Kraft hinter beiden Eclipsa-Standards. Zuständig für das Zertifizierungsprogramm ist die HDR10+ Technologies LLC, die damit eine zentrale Rolle bei der Qualitätssicherung und Markteinführung übernimmt. Geräte, die sowohl die Eclipsa-Video- als auch die Eclipsa-Audio-Zertifizierung durchlaufen haben, dürfen die kombinierte Bezeichnung „Eclipsa Video powered by H…" tragen – ein klares Qualitätsmerkmal für Endverbraucher.
Enge Verzahnung mit HDR10+
Ein wesentliches Merkmal des neuen Standards ist die direkte Zusammenarbeit mit dem bestehenden HDR10+-Standard. HDR10+ ist bereits in vielen modernen Fernsehern und Displays implementiert und bietet gegenüber dem statischen HDR10 den Vorteil dynamischer Metadaten – also szenengenauer Helligkeitsanpassung statt eines einzigen, für den gesamten Film geltenden Werts. Eclipsa Video baut auf diesem Fundament auf und erweitert es, anstatt von Grund auf neu anzufangen. Das senkt die Einstiegshürde für Hersteller erheblich.
Marktkontext: Offene Standards gegen proprietäre Ökosysteme
Der Vorstoß mit Eclipsa Video ist Teil eines größeren Trends in der Unterhaltungselektronik: Offene, lizenzfreie oder kostengünstigere Standards versuchen, den etablierten proprietären Lösungen Marktanteile abzunehmen. Dolby Vision und Dolby Atmos dominieren zwar nach wie vor viele Premium-Geräte und Streaming-Plattformen, verlangen aber Lizenzgebühren, die sich auf Produktionskosten und letztlich auf Endpreise auswirken. Ein offener Standard wie Eclipsa könnte besonders für Hersteller im mittleren Preissegment attraktiv sein, die ihren Kunden dennoch hochwertige HDR-Erfahrungen bieten möchten.
Für Verbraucher bedeutet die Entwicklung mittelfristig mehr Auswahl und potenziell günstigere Geräte mit hochwertiger HDR-Wiedergabe. Entscheidend wird sein, wie schnell Streaming-Dienste und Inhalteanbieter Eclipsa Video in ihre Workflows integrieren – denn selbst der beste Displaystandard nützt wenig, wenn kompatible Inhalte fehlen. Mit Apple und Google als Mitentwickler der zugrunde liegenden Spezifikation sind jedoch zwei der einflussreichsten Plattformbetreiber der Welt im Boot, was die Chancen auf eine breite Adoption deutlich erhöht.
Quellen: stadt-bremerhaven