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6. April 2026 2 Min. Lesezeit

DMCA-Keule trifft Gallery-dl: Umzug zu Codeberg nach Takedown

Das Open-Source-Tool Gallery-dl verlässt GitHub nach einer DMCA-Beschwerde von FAKKU und zieht zu Codeberg um.

Der beliebte Open-Source-Media-Scraper Gallery-dl steht vor einem erzwungenen Plattformwechsel: Nach einer DMCA-Beschwerde des Unternehmens FAKKU, LLC hat Entwickler Mike Fährmann angekündigt, das Projekt von GitHub zu Codeberg zu migrieren. Der Vorfall beleuchtet einmal mehr die Verwundbarkeit von Open-Source-Projekten gegenüber rechtlichen Druckmitteln – selbst wenn die Werkzeuge selbst keine urheberrechtlich geschützten Inhalte hosten.

Was ist passiert?

FAKKU, ein auf lizenzierte Hentai-Inhalte spezialisiertes US-Unternehmen, hat eine DMCA-Takedown-Notice eingereicht, die neben Gallery-dl noch 28 weitere Repositories auf GitHub betrifft. Konkret im Visier stehen mehrere Extractor-Module des Tools, darunter Unterstützung für Plattformen wie NHentai, E-Hentai/ExHentai sowie Hentai Foundry. Der Vorwurf: Die Extraktoren ermöglichten die automatisierte Massenentnahme von Inhalten, was als Umgehung technischer Schutzmaßnahmen gewertet wird – ein klassischer DMCA-Paragraph-1201-Fall, der die Circumvention von Zugangssperren untersagt.

Bemerkenswert ist dabei, dass Gallery-dl selbst keinerlei urheberrechtlich geschützte Inhalte speichert oder verbreitet. Das Tool ist ein reines Kommandozeilen-Werkzeug, das Nutzern ermöglicht, Bilder und Medien von Webseiten herunterzuladen – ähnlich wie youtube-dl für Videos. Die DMCA-Logik richtet sich hier gegen die Extraktoren als technische Hilfsmittel zur Umgehung, nicht gegen gestohlene Inhalte selbst.

Codeberg als sichere Alternative?

Die Entscheidung, zu Codeberg zu wechseln, ist strategisch nachvollziehbar. Codeberg ist eine gemeinnützige Plattform mit Sitz in Deutschland, betrieben von einem eingetragenen Verein, und basiert auf der Open-Source-Software Gitea. Im Gegensatz zu GitHub, das zu Microsoft gehört und als US-amerikanisches Unternehmen direkt dem DMCA unterliegt, operiert Codeberg unter deutschem und europäischem Recht. Das bedeutet nicht automatische Immunität gegen Takedowns, aber andere rechtliche Rahmenbedingungen und – zumindest in der Wahrnehmung vieler Entwickler – eine geringere Bereitschaft, vorschnell auf Druck nachzugeben.

Dieser Schritt folgt einem Muster, das in der Open-Source-Community zunehmend zu beobachten ist. Bereits youtube-dl wurde 2020 vorübergehend von GitHub entfernt, nachdem die RIAA eine DMCA-Notice eingereicht hatte. Das Projekt wurde zwar wiederhergestellt, aber der Vorfall hinterließ tiefe Spuren im Vertrauen vieler Entwickler gegenüber zentralisierten Plattformen. Seitdem wächst das Interesse an dezentralisierten oder europäisch gehosteten Alternativen wie Codeberg, Forgejo oder selbstgehosteten GitLab-Instanzen spürbar.

Technische und rechtliche Grauzone

Der Fall Gallery-dl wirft grundlegende Fragen über die Reichweite des DMCA auf. Tools, die das automatisierte Herunterladen von Webinhalten ermöglichen, bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone: Sie sind technisch neutral, können aber für legale wie illegale Zwecke eingesetzt werden. Die DMCA-Circumvention-Klausel ist dabei besonders scharf, weil sie keine Absicht voraussetzt – die bloße Möglichkeit zur Umgehung kann ausreichen.

Für Nutzer von Gallery-dl bedeutet der Umzug zunächst vor allem, ihre Bookmarks und Git-Remotes anzupassen. Die Funktionalität des Tools selbst bleibt unberührt. Langfristig könnte der Vorfall jedoch dazu führen, dass bestimmte Extraktoren aus dem offiziellen Repository entfernt und nur noch als externe Plugins angeboten werden – eine Strategie, die auch youtube-dl und sein Fork yt-dlp verfolgen, um rechtliche Angriffsflächen zu minimieren. Der Fall ist ein weiteres Mahnmal dafür, wie fragil die Infrastruktur von Open-Source-Projekten unter dem Druck kommerzieller Rechteinhaber sein kann.

Quellen: Hacker News

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