Crimson Desert, das ambitionierte Open-World-Action-RPG des koreanischen Entwicklerstudios Pearl Abyss, sorgt seit seinem Erscheinen in der Gaming-Community für rege Diskussionen. Das Spiel, das ursprünglich als Spin-off des erfolgreichen MMORPGs Black Desert Online begann und sich im Laufe der Entwicklung zu einem eigenständigen Einzelspieler-Erlebnis mit Multiplayer-Elementen wandelte, präsentiert eine dichte, lebendige Spielwelt voller Geheimnisse – und fordert dabei die Geduld und den Erfindergeist der Spieler auf vielfältige Weise heraus.
Rätsel und Erkundung als Kernpfeiler des Gameplays
Besonders auffällig ist die Vielzahl an kniffligen Rätseln und versteckten Inhalten, die Pearl Abyss in die Spielwelt eingebettet hat. So begegnen Spieler etwa auf dem Serkis-Anwesen dem sogenannten Halssius-Conflux-Statuenrätsel, bei dem es darum geht, ein Gittersystem zu verschieben und bestimmte Symbole korrekt auszurichten. Solche umgebungsbasierten Denkaufgaben erinnern an klassische Action-Adventure-Titel und verleihen Crimson Desert eine Tiefe, die über reines Kampfgeschehen hinausgeht.
Auch die versteckten Schatzkarten des Spiels gelten unter Kennern bereits als besonders herausfordernd. Anders als in vielen anderen Titeln des Genres liefern die Hinweise keine eindeutigen Markierungen auf der Karte, sondern erfordern echte Detektivarbeit in der Spielwelt – etwa das Aufspüren von Schatzkartenteilen in der Umgebung der Stadt Hernand. Diese Designphilosophie, Spieler aktiv zur Erkundung zu animieren, anstatt sie mit Wegpunkten zu führen, ist eine bewusste Entscheidung von Pearl Abyss und spricht eine Zielgruppe an, die klassische Erkundungsabenteuer schätzt.
Komplexe Quests und experimentelle Mechaniken
Darüber hinaus bietet Crimson Desert eine Reihe mehrstufiger Quests, die unterschiedliche Spielmechaniken miteinander verknüpfen. Die Quest „Gate to the Other World" im Bereich Scholastone beispielsweise kombiniert Erkundung, Rätselelemente und einen anspruchsvollen Bosskampf gegen ein Wesen namens Tenebrum. Spieler müssen zunächst unterirdische Schalter aktivieren, Batterien einsetzen und ein experimentelles Gerät des Charakters Octavius in Betrieb nehmen – ein Ablauf, der an Puzzle-Sequenzen aus Titeln wie The Legend of Zelda erinnert.
Auch das Wirtschaftssystem des Spiels zeigt, wie vielschichtig Crimson Desert konzipiert ist. Über ein Handelssystem können Spieler Waren verkaufen, um sowohl Lagerkapital als auch direkte Währung zu verdienen. Wer sich ein Lagerfahrzeug – einen sogenannten Wagon – zulegen möchte, muss zunächst entsprechende Ressourcen ansammeln. Dieses wirtschaftliche Schicht gibt dem Spiel ein RPG-typisches Progressionsgefühl, das über den reinen Kampf hinausgeht.
Einordnung: Pearl Abyss im Wettbewerb der Open-World-RPGs
Mit Crimson Desert positioniert sich Pearl Abyss in einem hart umkämpften Markt, der von Titeln wie Elden Ring, The Witcher 3 oder dem kommenden Kingdom Come: Deliverance 2 dominiert wird. Das Studio bringt dabei seine langjährige Erfahrung aus der Entwicklung von Black Desert Online mit – insbesondere in Bezug auf Weltdesign, Kampfmechaniken und wirtschaftliche Systeme. Ob Crimson Desert das Potenzial hat, sich dauerhaft neben diesen Schwergewichten zu behaupten, wird letztlich von der Breite und Qualität des Endgame-Contents abhängen. Die bisherigen Eindrücke deuten jedoch darauf hin, dass Pearl Abyss einen ernsthaften Anspruch auf einen Platz in der ersten Reihe des Action-RPG-Genres erhebt.
Quellen: PC Gamer