Zwei unabhängige Entwicklungen aus dem Software-Bereich zeigen diese Woche, wie Drittanbieter und Browser-Entwickler gezielt an den Schwachstellen etablierter Plattformen ansetzen – einmal bei Apples TV-Steuerung, einmal bei Googles experimentellen Browser-Einstellungen.
Itsytv: Mehr als ein Behelf für Apple-TV-Nutzer
Wer ein Apple TV besitzt, kennt das Problem: Die eingebaute Remote-Funktion im Kontrollzentrum von iOS und iPadOS existiert zwar seit Jahren, fühlt sich aber eher wie ein nachträglicher Gedanke an als wie ein durchdachtes Werkzeug. Die App Itsytv will diese Lücke schließen und bringt eine vollwertige Touch-Fernbedienung auf iPhone, iPad und Mac.
Das Konzept überzeugt durch seine Flexibilität: Nutzer zahlen einmalig über einen Universal Purchase im App Store und können die App anschließend auf allen Apple-Geräten verwenden. Auf dem Mac ist die Anwendung sogar kostenlos und lässt sich alternativ über den Paketmanager Homebrew installieren – ein klares Signal an die technisch versiertere Zielgruppe. Besonders vertrauensbildend: Der Quellcode liegt öffentlich auf GitHub, was gerade bei Anwendungen, die im heimischen Netzwerk operieren, ein wichtiges Argument ist. Wer eine App in sein Heimnetz lässt, möchte wissen, was sie tut.
Der Kern der Anwendung ist ein Touch-Remote-Interface, das deutlich mehr Komfort bieten soll als Apples eigene Lösung. In einer Zeit, wo Smart-Home-Geräte immer stärker vernetzt werden und das Smartphone als universelle Fernbedienung fungiert, trifft Itsytv einen Nerv. Apple selbst hat die Remote-Funktionalität über Jahre hinweg kaum weiterentwickelt – hier entstehen Nischen für engagierte Drittentwickler.
Chrome Flags: Endlich Import und Export in Sicht
Auf der Browser-Seite bewegt sich Google bei einem Feature, das Power-User schon lange vermissen: In Chrome Canary zeichnet sich eine Import- und Exportfunktion für Flag-Konfigurationen ab. Flags sind die versteckten Experimentaleinstellungen unter chrome://flags, mit denen sich Funktionen aktivieren oder deaktivieren lassen, die noch nicht offiziell freigegeben sind.
Bisher war das Verwalten dieser Einstellungen mühsam: Wer auf einem neuen Gerät dieselbe Konfiguration haben wollte oder seine bevorzugten Flags mit anderen teilen wollte, musste jeden Schalter manuell suchen und setzen. Ein entsprechender Eintrag im Chromium Gerrit deutet nun darauf hin, dass komplette Flag-Sets künftig als Paket gesichert, wiederhergestellt und geteilt werden können sollen.
Die technische Grundlage ist in der aktuellen Canary-Version bereits vorhanden – sowohl auf dem Desktop als auch in der Android-Version. Die eigentliche Funktion ist jedoch noch hinter einem experimentellen Schalter versteckt und noch nicht für die breite Nutzung freigegeben. Das ist typisch für Googles Entwicklungsprozess: Neue Features reifen zunächst in Canary, wandern dann über Beta bis in den stabilen Release-Kanal.
Für Entwickler, Tester und technikaffine Nutzer ist diese Funktion ein echter Gewinn. Wer regelmäßig mit mehreren Geräten arbeitet oder in Teams testet, weiß wie zeitaufwendig das manuelle Rekonfigurieren sein kann. Mit einer Export-Funktion ließen sich auch Community-geprüfte Flag-Kombinationen einfach verbreiten – etwa für optimale Performance oder spezifische Entwicklungsumgebungen. Wann das Feature den stabilen Chrome-Kanal erreicht, ist noch offen.
Quellen: stadt-bremerhaven