Der auf Privatsphäre ausgerichtete Browser Brave erweitert sein Funktionsrepertoire um ein Feature, das bislang spezialisierten Diensten wie SimpleLogin oder Apple Hide My Email vorbehalten war: E-Mail-Aliase direkt im Browser. In der aktuellen Nightly-Version für den Desktop lässt sich die Funktion bereits ausprobieren und markiert einen weiteren Schritt in Braves Strategie, Datenschutzwerkzeuge tief in den Browser zu integrieren, anstatt Nutzer auf externe Drittanbieter zu verweisen.
So funktioniert das System
Das Prinzip hinter E-Mail-Aliasen ist denkbar einfach, aber wirkungsvoll: Wer sich bei einem Online-Dienst registriert, gibt statt seiner echten Adresse eine generierte Alias-Adresse an. Eingehende Nachrichten an diesen Alias werden automatisch an das hinterlegte Hauptkonto weitergeleitet. Auf diese Weise bleibt die echte E-Mail-Adresse verborgen – selbst wenn ein Dienst gehackt wird oder die Adresse an Dritte weitergibt, ist der Schaden begrenzt. Der Alias lässt sich einfach deaktivieren oder löschen, ohne die eigentliche Adresse wechseln zu müssen.
In Brave ist die Einrichtung über brave://settings/email-aliases möglich, wo zunächst ein Brave-Konto angelegt werden muss. Besonders praktisch: Per Rechtsklick in ein E-Mail-Eingabefeld lassen sich neue Aliase direkt im Kontext erstellen, ohne erst in die Einstellungen wechseln zu müssen. Die Verwaltung aller Aliase erfolgt im Bereich Autofill der Browsereinstellungen. Dort können Aliase mit individuellen Notizen versehen, neu erstellt oder bei Bedarf wieder gelöscht werden.
Fünf Aliase kostenlos – Konkurrenz bietet mehr
In der aktuellen Implementierung stellt Brave bis zu fünf kostenlose Aliase zur Verfügung. Das ist ein solider Einstieg für den durchschnittlichen Nutzer, fällt aber im direkten Vergleich mit anderen Anbietern etwas knapp aus: Firefox Relay etwa erlaubt in seiner kostenlosen Stufe bis zu 50 Aliase. Dienste wie SimpleLogin oder AnonAddy bieten ebenfalls großzügigere Kontingente, teilweise mit unbegrenzter Aliasanzahl in Bezahlmodellen. Es bleibt abzuwarten, ob Brave das Limit im Rahmen eines möglichen Premium-Angebots nach oben schraubt.
Einordnung: Brave baut sein Datenschutz-Ökosystem aus
Die Integration von E-Mail-Aliasen ist kein isoliertes Feature, sondern Teil einer größeren Strategie. Brave hat in den vergangenen Jahren konsequent eigene Datenschutzlösungen entwickelt und integriert – von einem eingebauten Ad-Blocker über einen eigenen VPN-Dienst bis hin zur Brave Search als datenschutzfreundliche Standardsuchoption. Jedes dieser Features zielt darauf ab, Nutzer weniger abhängig von externen Diensten und großen Tech-Konzernen zu machen.
Für tech-affine Nutzer, die ihre digitale Privatsphäre ernst nehmen, ist die neue Funktion ein interessanter Schritt. Da sie sich noch in der Nightly-Phase befindet, ist mit weiteren Anpassungen vor dem stabilen Release zu rechnen. Wer die Funktion bereits jetzt testen möchte, benötigt die Nightly-Version des Brave-Browsers sowie ein Brave-Konto – und sollte bedenken, dass Nightly-Builds per Definition experimentell und potenziell instabil sind.
Quellen: stadt-bremerhaven