Amazon hat seine Nutzer per Pop-up-Hinweis in der bestehenden Anwendung darüber informiert, dass die Kindle für PC App am 30. Juni 2026 eingestellt wird. Nach diesem Datum wird die Software nicht mehr funktionieren – unabhängig davon, ob sie von alternativen Quellen heruntergeladen wird. Damit endet eine Ära: Die ursprüngliche Kindle-PC-Anwendung wurde bereits 2009 veröffentlicht und hat seitdem kaum nennenswerte Weiterentwicklungen erfahren.
Nachfolger nur für Windows 11 – ältere Systeme außen vor
Amazon arbeitet nach eigenen Angaben an einer neuen Kindle-App für den PC. Diese wird jedoch ausschließlich mit Windows 11 kompatibel sein und nur über den Microsoft Store bezogen werden können. Nutzer, die noch Windows 10 oder ältere Versionen einsetzen, schauen damit in die Röhre. Angesichts der Tatsache, dass Windows 10 laut Marktdaten nach wie vor auf einem erheblichen Teil aller PCs weltweit läuft, ist diese Entscheidung durchaus kontrovers. Zwar hat Microsoft selbst das Support-Ende für Windows 10 auf Oktober 2025 festgesetzt, doch viele Nutzer – insbesondere im Unternehmensumfeld oder auf älterer Hardware – werden nicht zeitnah migrieren.
DRM-Problematik und die Reaktion der Community
Die Abkündigung hat in der Tech-Community auch deshalb für Aufruhr gesorgt, weil ältere Versionen der Kindle-PC-App vergleichsweise einfach zur Entfernung des DRM-Schutzes (Digital Rights Management) genutzt werden konnten. Viele Nutzer setzten die Anwendung genau aus diesem Grund ein – nicht primär zum Lesen, sondern um erworbene E-Books lokal zu sichern und auf anderen Geräten oder mit anderen Readern zu nutzen. Amazon hat in den vergangenen Jahren aktiv versucht, diese Möglichkeit durch erzwungene Updates auf neuere Versionen zu unterbinden. Die neue, ausschließlich über den Microsoft Store verfügbare App dürfte diese Lücke endgültig schließen.
Einordnung: Amazons Strategie im E-Book-Ökosystem
Der Schritt fügt sich in Amazons übergeordnete Strategie ein, das Kindle-Ökosystem stärker zu kontrollieren und Nutzer enger an die eigene Plattform zu binden. Indem der Vertrieb über den Microsoft Store abgewickelt wird, profitiert Amazon von dessen Update-Mechanismen und Sicherheitsinfrastruktur – gleichzeitig werden Versuche erschwert, die App in ältere, weniger gesicherte Zustände zurückzuversetzen. Für Vielleser, die ihre digitale Bibliothek plattformunabhängig nutzen möchten, wird die Situation damit erneut enger.
Wer also noch Windows 10 einsetzt und auf seine Kindle-Bibliothek am PC angewiesen ist, sollte sich rechtzeitig um Alternativen kümmern – sei es ein Upgrade auf Windows 11, der Wechsel zu einem anderen E-Reader-Ökosystem oder die Nutzung der webbasierten Kindle-Cloud-Reader-Lösung im Browser, die von Amazon weiterhin angeboten wird. Bis zum 30. Juni 2026 bleibt noch etwas Zeit – doch die Uhr tickt.
Quellen: Hacker News